Am Anfang stand der Ärger. "Das ist schlichtweg ein Skandal, eine absolute Katastrophe. Jedes Sch****-Europapokalspiel im Fußball wird live übertragen, auch wenn der Bundesligist in Finnland schon das Hinspiel 5:0 gewonnen hat." Diese markigen Worte stammen nicht von einem entrüsteten Fan, sondern von keinem geringeren als Uwe Schwenker. Anlass seines Wutausbruches war die Tatsache, dass kein deutscher Sender das entscheidende Rückspiel im Finale der Champions League des Jahres 2000 live in Deutschland übertragen wollte. Der THW Kiel hatte erstmals in seiner damals 77-jährigen Geschichte das Finale erreicht, erstmals seit 1983 schickte sich eine Mannschaft der Bundesliga an, den wichtigsten europäischen Pokal zu gewinnen, aber keiner sollte es sehen können. Während das Hinspiel aus der Ostseehalle noch im DSF ausgestrahlt wurde, fand sich kein Sender, der das entscheidende Rückspiel übertragen wollte.
Für Olaf Nolden war dies damals der Anlass, sich Internet zuzulegen, denn dort wurden die deutschen Fans zumindest per Livestream versorgt. Als einige verweigerte Übertragungen später im November 2001 auch das Weltrekordspiel des VfL Gummersbach gegen den THW Kiel in der Kölnarena ohne die TV-Zuschauer stattfinden sollte, sah Olaf Nolden darin Grund genug, seinen Ärger nicht länger zurückzuhalten. Er bastelte eine Internetseite und forderte dort "Mehr Handball im Fernsehen". Er stellte ein Email-Formular bereit und forderte die Menschen auf, an die Sender zu schreiben, damit dort das großen Interesse am Handball erkannt werde. "Immer wieder hieß es auf meine Anfragen, es gäbe in Deutschland kein Interesse am Handball", sagt Nolden rückblickend, "Ich wollte ihnen das Gegenteil beweisen." Denn wenn zu einem normalen Bundesligaspiel über 18.000 Zuschauer pilgern, kann das Interesse am Handball in Deutschland nicht gering sein, befand er.
handballimfernsehen.de war geboren. Über 8.000 emails wurden über die Seite abgeschickt und zeigten den Sendern, dass ein Interesse am Handball besteht. Es kam zum Dialog mit den öffentlich-rechtlichen Sendern. Einige beharten auf ihren Textbausteinen aus den Zuschauerredaktionen, andere sahen tatsächlich ein gewisses Defizit. Schließlich gaben aber auch die Einschaltquoten der Petition Recht und gaben ihr den nötigen Nachdruck. Olaf Nolden veröffentlichte den Dialog mit den Fernsehanstalten und versuchte dabei auch die Sicht der TV-Sender verständlich zu machen, vor allem in Hinblick auf die Rechtesituation. "Nicht immer ist es das fehlende Interesse der Sender, wenn große Sportereignisse nicht gezeigt werden, häufig ist es auch eine unklare Rechtesituation oder eine zu hohe finanzielle Forderungen", sieht Nolden auch Grenzen der Schuldzuweisung.
In Zeiten der seltenen TV-Übertragungen bot handballimfernsehen.de den Überblick, wo und wann welche Handballspiele zu sehen sein würden. Mittlerweile gibt es eine Flut von TV-Übertragungen auf unterschiedlichsten Sendern. Durch handballifernsehen.de und den wöchentlichen Newsletter wird der Handball-Fan dabei nicht nur über die aktuellen Entwicklungen im TV-Bereich, wie Rechteverhandlungen, den Einstieg neuer Sender und deren Empfang auf dem Laufenden gehalten, sondern die Seite ist heute auch durch ihre Datenbank der TV-Termine die erste Anlaufstelle, wenn es darum geht, sich einen Überblick über die aktuellen TV-Übertragungen zu verschaffen.
von Olaf Nolden