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Buchvorstellung
In der Hitze des Nordens - Die stärkste Handballmannschaft der Welt und ihr schärfster Rivale

Am 14. August erschien im Buchhandel das Buch "In der Hitze des Nordens", die ultimative Abhandlung über die Duelle zwischen dem THW Kiel und der SG Flensburg/Handewitt. Es ist auch die Geschichte über den Bundesliga-Handball der vergangegen 13 Jahre, denn seit 1994 gingen nach Schleswig-Holstein elf Deutsche Meisterschaften sowie sieben nationale Pokalerfolge. Obendrein landeten zwischen 1997 und 2007 insgesamt sieben Europapokale in Kiel oder Flensburg, darunter als Krönung der Kieler Champions League-Gewinn im direkten Aufeinandertreffen 2007. Auf 209 Seiten beschreibt Autor Frank Schneller, wie Kiel zum stärksten Team der Welt wurde und welchen Anteil die Flensburger als ärgster Rivale daran haben.
Die Rivalität der beiden schleswig-holsteinischen Handball-Bundesligisten gibt es nun also auch in Buchform. "Das hat gerade noch gefehlt", mag sich da manch einer denken. Aber diese besondere Form der Rivalität, die sowohl den THW Kiel als auch die SG Flensburg/Handewitt immer wieder zu Höchstleistungen anstachelt, beschreibt nicht einfach nur einen sportlichen Wettkampf in Analogie zu Schalke und Dortmund beim großen Bruder Fußball, sondern erklärt, wie es dazu kommen konnte, ja: musste. Woher diese gegenseitige Abneigung, die mittlerweile dem Nachwuchs mit in die Wiege gelegt wird, kommt, wissen ohnehin vermutlich nur die beiden Protagonisten Uwe Schwenker und Manni Werner, die die beiden Klubs zu Weltruhm geführt haben, aber Autor Frank Schneller bringt seine Leser nah an eine verständliche Erklärung.

Dabei geht er tief in die jeweiligen Vereinsgeschichten zurück, erklärt aufgrund der Herkunft, wie diese Rivalität langsam entstand und ins Unermeßliche wuchs. Ein Glücksfall für den Autor dieses lange geplanten Buches war, dass in der abgelaufenen Saison beide Teams um die Krone des europäischen Handballs ringen durften. Dass am Ende der THW Kiel in drei Wettbewerben triumphierte, hat auf die Ausrichtung des Buches einen nicht unerheblichen Einfluss gehabt. Leser mit einem - vielleicht auch nur mäßig - für Kiel schlagenden Herzen werden letztlich mehr Freude an dem Buch haben. Einfach, weil es mehr Erfolgsgeschichten zu erzählen gibt.
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Dabei ist die SG Flensburg/Handewitt alleine schon eine Erfolgsgeschichte. Aus einem Dorfklub wird innerhalb kurzer Zeit ein Verein, der in ganz Europa bekannt und respektiert ist. "Die Flensburger sehen sich selbst zu kritisch" , sagt etwa SG-Präsident Frerich Eilts, "es wird nicht gewürdigt, was wir bei der SG hier für den Standort Flensburg leisten." Dafür sind die Flensburger Fans sehr viel emotionaler, enthusiastischer, als die Kieler, aber eben auch schneller zu Tode betrübt. Autor Frank Schneller beschreibt zur näheren Deutung dieses Phänomens auch die beiden Städte Kiel und Flensburg und lässt dabei auch seinen Co-Autor Frank Heike, gebürtiger Flensburger, zu Wort kommen.
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So sei Kiels Erfolg untrennbar mit der Ostseehalle verbunden, die mitten im Herzen der Stadt liegt und allein durch ihre Größe einen enormen Standortvorteil bietet. Daran konnte der THW schon früh wachsen. Anders die SG aus Flensburg, die immer erst sportlich wuchs, während Hallenaus- und neubau hinterher hinkten. Flensburg, die im Vergleich deutlich schönere Stadt, biete mit seinen 80.000 Einwohnern dafür mehr familiäres Ambiente, während in der Landeshauptstadt mit immerhin knapp einer Viertel Million Einwohnern, man als Handballstar getrost einen Stadtbummel machen könne.

Interessant wird es in dem Buch immer besonders dann, wenn bisher unbekannte Nickeligkeiten zwischen den Vereinen zutage treten. Etwa, wenn Uwe Schwenker 1998 kurzerhand das Rückspiel im EHF-Pokalfinale zwischen beiden Klubs in Absprache mit der EHF und dem übertragenden NDR auf einen Mittwoch legt und Flensburg uninformiert lässt. Oder wenn Schwenker, dem es eine diebische Freude bereitet, "seinen Flensburger Freunden" eins auszuwischen, sich vor einem Derby am Telefon mit den Worten meldet: "Uwe Schwenker, Flensburg in die Förde, Guten Tag!". Was Schwenker noch nie leiden konnte, war die Flensburger Zurückhaltung, das Verstecken hinter dem THW. "Wie sie hörten, wird Flensburg auch dieses Jahr knapp dem Abstieg entrinnen", stichelte er einmal auf einem Pressemeeting der Nordklubs in Anspielung auf Manfred Werner, der die SG in der Außenseiterrolle sah und anderen die Favoritenbürde auferlegte. Auch Jan Holpert kann vom Schelm Schwenker erzählen. Der habe ihn ab und zu nach Kiel locken wollen: "Na, Jan? Willst du noch mal Meister werden? Dann komm zu uns."

Auch der "Fall" Lackovic wird ausführlich aufgearbeitet. Eigentlich hatte der Kroate schon in Kiel zugesagt. Noka Serdarusic erzählte noch am gleichen Tag auf Nachfrage von seinem Freund Thorsten Storm, dass die Unterschrift nur noch Formsache sei. Storm jedoch, der seitens der Vereinsführung aufgefordert war, Lackovic nach Flensburg zu holen, nutzte diese Insider-Information und legte beim Angebot an den Kroaten noch einmal nach. Lackovic ging nach Flensburg, Serdarusic kündigte Storm die Freundschaft. Da es unterschiedliche Wahrnehmungen über Wortwahl und Ablauf der Geschichte gibt, lässt Autor Frank Schneller kurzerhand Serdarusic und Storm in getrennten Abschnitten zu diesem Thema zu Wort kommen. Der Leser kann sich selbst ein Urteil bilden.

Man erfährt auch, warum Serdarusic und die SG Flensburg/Handewitt ein so schwieriges Verhältnis haben, warum es lange Jahre in Flensburg reichte, nur die Derbys zu gewinnen, warum Uwe Schwenker vor den Augen von Noka Serdarusic fast ertrunken wäre und weshalb Kiels Manager mit Mobiltelefonen nach seinem Trainer schmeißt.

"In der Hitze des Nordens" ist für die Fans beider Vereine eine unbedingte Pflichtlektüre, die kurzweilig geschrieben ist und viele Details enthält. Man erlebt nicht nur die aus Kieler Sicht besonders schöne letzte Saison noch einmal im Zeitraffer, auch die Flensburger Erfolge gegen den THW, in Flensburg gemeinhin immer noch die schönsten Siege, werden ausführlich nacherzählt. Ebenso werden die Spielerwechsel zwischen beiden Klubs behandelt, ob Lars Krogh Jeppesen, Thomas Knorr, Michael Menzel oder Morten Bjerre. Fans der beiden Klubs werden somit auch auf eine Zeitreise mitgenommen und können alte Erinnerungen auffrischen. Und vielleicht verstehen die festzementierten Fan-Fronten in Kiel und Flensburg nach dem Lesen einander besser. Wer beiden Vereinen unvoreingenommen gegenübersteht, erfährt ein Stück Handballgeschichte und wird nach der Lektüre besser verstehen, warum im Norden manches etwas merkwürdig erscheint. Zudem lockt das Buch mit zahlreichen Fotos aus unzähligen Derbys.

Zur Einstimmung auf die neue Saison ist "In der Hitze des Nordens" eine wunderbare Lektüre, spannend und zugleich leicht und locker geschrieben und nie langweilig. Frank Schneller ist ein Buch gelungen, das tatsächlich noch gefehlt hat.

Daten

Autor: Frank Schneller
Co-Autor: Frank Heike
Preis: 19,90 Euro

Inhalte:
- u. a. Vorwort von Weltmeistercoach Heiner Brand
- Die abgelaufene Saison, das Triple des THW
- Die Derby-Historie
- Städte- und Szene-Portraits Kiel / Flensburg
- Der große Vereinsvergleich eines Insiders und Zeitzeugen
- Portraits über die Hauptdarsteller: Serdarusic, Schwenker, Holpert, ...
- Die heißesten Duelle, die größten Stars, die dramatischsten Momente
- u.a. Interviews mit Lövgren und Christiansen über den Derby-Klassiker
- Randgeschichten und Personality-Storys aus beiden Vereinen
- Großer Derby-Statistik-Teil, korrespondierend mit den heißesten Duellen

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