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Buchvorstellung
Heiner Brand Auf meine Art

Er ist einer der bekanntesten Deutschen der Gegenwart und mit Auszeichnungen überschüttet worden. Heiner Brand hat nun zusammen mit Co-Autor Frank Schneller eine Neuauflage seiner umfassende Biographie herausgebracht, die viel über den Menschen und Oberberger Heiner Brand, aber auch über den Handball erzählt. Wir haben das in Fortsetzung zum bisherigen Brand-Buch ?InTeam? soeben erschienene Buch ?Heiner Brand ? Auf meine Art? für Sie gelesen.
Heiner Brand ist der Frontmann des deutschen Handballs. Kein Gesicht hat sich vor, während und nach der erfolgreichen Weltmeisterschaft so sehr in das Gedächnis der Deutschen gebrannt, wie das des schnauzbärtigen Gummersbachers. Der Bundestrainer war vor dem identitätsstiftenden Großereignis durch Deutschland getourt und versuchte, der Nation die Heim-WM schmackhaft zu machen. Als kurz vor dem ersten Anpfiff in Berlin Umfragewerte bekannt wurden, nach denen die in der Handballszene mit Spannung und Euphorie erwartete Weltmeisterschaft nicht in den Köpfen der Menschen angekommen war und die Titelkämpfe lediglich eine Randnotiz waren, muss ihm das wie ein Hohn vorgekommen sein. Denn seit September war er ununterbrochen unterwegs gewesen, hatte immer wieder die gleichen Fragen beantwortet und musste nebenbei mit ansehen, wie sich sein 28er-Kader nahezu täglich dezimierte.

Ein unsagbares Verletzungspech suchte den Weltmeister von 1978 ein und es schien, als würde es der einzige Weltmeistertitel bleiben, den er damals unter Vlado Stenzel aus Kopenhagen mit nach Deutschland brachte. Dabei sollte die Weltmeisterschaft im Januar 2007 die größte, schönste und beste aller Zeiten werden. Doch ein unwilliges und unwissendes Volk, eine Mannschaft, die wenig Hoffnung auf Großtaten versprach und die immer wieder das Marketing kritisierenden Medien ließen die Erwartungshaltung auch beim Bundestrainer sinken.

Dass er trotzdem so locker und gutgelaunt wie nie zuvor durch das WM-Turnier lief und zusammen mit dem DHB-Pressechef Charly Hühnergarth legendäre Pressekonferenzen abhielt, bei denen sich die versammelten Journalisten vor Lachen auf die Schenkel klopften, gehört wohl neben dem Triumph der deutschen Mannschaft zu den bemerkenswertesten Kapiteln des erfolgreichsten deutschen Handballjahres. Am Ende war eine ganze Nation verliebt in den Schnauzbartträger und seinen Sport.

In seiner Biographie ?Auf meine Art? beschreibt der Doppelweltmeister die Momente dieses Glücks. Fast 80 Seiten der 352 Seiten dicken Biographie von Heiner Brand befassen sich mit der Weltmeisterschaft 2007 und gewähren dem Leser einen tiefen Einblick in die Gemütslage des berühmtesten Schnauzbartes des Landes. Man durchlebt zusammen mit dem Bundestrainer noch einmal das phänomenale Viertelfinale gegen Spanien, das unbeschreibliche und nervenaufreibende Halbfinale gegen Frankreich und das letztlich deutlich gewonnene Finale gegen Polen. Der Bundestrainer beschreibt, wie er im Vorfeld der WM Zweifel hatte, ob seine Mannschaft all das Verletzungspech würde wegstecken können, seine Sorge, Henning Fritz könnte aus seiner langen Krise nicht zurück finden.

Immer wieder werden die Erzählungen des Bundestrainers unterbrochen durch ultimative Lobhudeleien seiner Wegbegleiter. So kommt DHB-Präsident Ulrich Strombach ebenso zu Wort wie Brands ehemaliger Co-Trainer Bob Hanning. Stefan Kretzschmar beschreibt sein anfangs äußerst schwieriges Verhältnis zu seinem damaligen Gummersbacher Vereinstrainer. Irgendwann, so beschreibt es der Handball-Punk, habe er Brand angerufen und gesagt: ?Bundestrainer, Kretzschmar hier!?, woraufhin Brand mit einem ?Ach? reagierte. Fortan war das Verhältnis der beiden von großem Respekt geprägt und ?Kretsche? wieder Nationalspieler..

Aber auch Joachim Deckarm kommt zu Wort, beschreibt seine tiefe Freundschaft zu Heiner Brand, die beide mit dem VfL Gummersbach und der Nationalmannschaft ihre größten Erfolge gemeinsam feierten. Janus Fröhlich erzählt, wie es zum WM-Hit der Höhner kam und Christian Schwarzer berichtet von seinem Vater-Sohn-Verhältnis zum Bundestrainer.

Auch die Familie von Heiner Brand kommt umfassend und alles andere als beschönigend zu Wort. Man erfährt vom schwierigen Verhältnis zu Sohn Markus, der als ungeplante Schwangerschaft alle Lebenspläne von Heiner Brand über den Haufen warf. In einem in Interviewform wiedergegebenen Gespräch von Ehefrau Christel, den Kindern Markus und Julia mit Co-Autor Frank Schneller unter Abwesenheit des Familienvaters erfährt man viel über die Macken und Angewohnheiten des Bundestrainers. Aber die beschriebenen Schrulligkeiten des Anhängers von Handstaubsaugern machen Brand nur noch sympathischer.

Auch seiner Heimatstadt Gummersbach ist ein langes Kapitel gewidmet. Die Merkwürdigkeiten, die der Oberbergische Seele innewohnen und die Brand manchmal das Leben schwer machen, werden dem Leser genauso nahe gebracht, wie sein schwieriges Verhältnis zum VfL Gummersbach, den sein Vater letztlich erst aus der Taufe gehoben hat. Die Brands sind die Keimzelle des VfL Gummersbach, fühlen sich heute aber so manches Mal mit nur mäßigem Respekt behandelt. Das alles sei aber nicht der Grund, warum sich die Brands mit dem Gedanken anfreunden, nach der Karriere als Bundestrainer das beschauliche Gummersbach für einige Zeit zu verlassen, beschreibt Brand in seinem Buch.

Womöglich würde ich einige Dinge vermissen. Gummersbacher Eigenheiten zum Beispiel. Wie die Begegnung mit einem älteren Herren vor einigen Jahren. Ich war zurück aus Athen und an meinem Schließfach in der Gummersbacher Post, als er mich ansprach. Keine Begrüßung, kein Wort zu Olympia. Er sagte nur: ? Na, jetzt musst Du wohl mal wieder richtig arbeiten.? Mehr nicht. Kein Glückwunsch, keine Verabschiedung. Nur das. Mitten in den Raum hinein. Ich war irgendwie perplex, dabei sollte mich so etwas eigentlich nicht mehr sprachlos machen. Ich sollte, ich kann darüber schmunzeln. Ich würde lachen, wenn ich ihn noch einmal träfe und er auch den WM-Titel ignorierte und wieder so einen Spruch aushauen würde. Wäre durchaus denkbar. Ich lebe in Gummersbach.

Die neue Biographie von Heiner Brand ist mehr als nur ein Buch über den Menschen Brand. Es ist ein Buch über deutsche Handball-Geschichte, die untrennbar mit dem Namen Brand verbunden ist. Ob WM-Titel 1978, Olympia-Qualifikation gegen die DDR 1975 oder die großen Siege des VfL Gummersbach in den 70er und 80er Jahren, seine ersten Triumphe als Vereinstrainer mit Gummersbach und Wallau/Massenheim, die Erfolge und Niederlagen der Nationalmannschaft seit 1998? Heiner Brand und sein Co-Autor Frank Schneller erzählen auf den 352 Seiten so viele Geschichten und Details, dass daraus ein spannendes und kurzweiliges Buch geworden ist, das durch zwei längere Fotostrecken aufgelockert ist.

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